Christian Petz, leidenschaftlicher Wirt in der Wiener Gusshausstraße und Ausnahmekoch, im Gespräch

Herr Petz, Sie sind als Wirtshauskind auf dem Land aufgewachsen. Sehen Sie gravierende Unterschiede zwischen dem Wirtshaus von damals und der heutigen Wirtshauskultur?

Ja, klar! Früher sind speziell die Männer viel öfter ins Wirtshaus gegangen ! In meinem Heimatort Grein gab es damals 15 Wirtshäuser, jetzt sind es nicht einmal mehr halb so viele!
Außerdem wurde natürlich noch viel mehr frisch gekocht - mittlerweile ist Convenience eher die Regel als die Ausnahme.


Von der großen Haubenküche (Palais Coburg) über das unkonventionelle Badeschiff sowie genauso unkonventionell-kreativen kulinarischen Experimenten zum eigenen klassischen Wirtshaus in der Gusshausstraße… Sind die wilden Jahre des Christian Petz vorbei, oder fangen Sie gerade erst an? 

Hatte ich wilde Jahre? Ich sehe das als Entwicklung, und auch mein Wirtshaus wird sich entwickeln und permanent verändern.
Und ich habe nie gesagt dass das ein klassisches Wirtshaus wird! Dazu habe ich viel zu viele unkonventionelle Ideen! Ich kann noch gar nicht genau sagen, was es dort geben wird. Es fällt mir jeden Tag etwas Neues ein!


Sie bezeichnen sich selbst als ungeduldigen Menschen, der, wenn er nicht regelmäßig größere Menschenmengen mit seinen Kochkünsten verwöhnen kann, unzufrieden wird. Wieviel Leidenschaft müssen gute Wirtsleute mitbringen, um erfolgreich zu sein?
Verträgt sich diese Getriebenheit mit der sogenannten „Wirtshaus-Gmiatlichkeit“?

Also: „Größere Menschenmengen“ muss ich ja nicht regelmäßig bekochen! Ich kann auch ganz zufrieden sein wenn ich „nur“ zu Hause koche! Und das mit der „Wirtshaus-Gmiatlichkeit“ bezieht sich ja eher auf den Gast.


Welche Voraussetzungen muss Ihrer Meinung nach ein Wirtshaus erfüllen, damit sich der Gast wohl fühlt und gerne einkehrt?

Es gilt wie für alle Gaststätten: Angenehmes Ambiente, freundlicher und gut geschulter Service und gute Küche!


Sie lieben Innereien und gute Weine. Beide Spezies fühlen sich im klassischen Wirtshaus zu Hause. Freut Sie das?

In Wahrheit sollten speziell Innereien generell öfter angeboten werden. Auch sogenannte „unedle“ Fleischteile sollten wieder mehr verarbeitet werden.


Wir bedanken uns bei Christian Petz für das Gespräch und sind – wie schon sehr viele Genussmenschen – gespannt auf sein Projekt „Petz im Gußhaus“, das am 15. Jänner 2015 eröffnet wird!  Reservierungen können bereits  entgegengenommen werden!



Foto: © Herbert Lehmann
Text: Britta Mesenich